Wertschöpfung – Wie zielgerichtet arbeiten Sie eigentlich?

Im Lean Kontext ist mit Wertschöpfung der Mehrwert eines Produktes für den Kunden gemeint. Zum einfacheren Verständnis müssen Sie sich immer die Frage stellen, für was der Kunde bereit ist zu zahlen.

 

Gehen wir einfach mal davon aus, dass Ihr Kunde Rohre in individuellen Zuschnitten haben möchte. Sie sind allerdings kein Rohrhersteller, sondern kaufen diese als Meterware, schneiden sie nach Wunsch zu und schicken sie dem Kunden. Die Leistung, die sie erbringen und die einen konkreten Mehrwert für den Kunden liefert ist demnach das Zuschneiden. Genau das wäre in diesem Beispiel die Wertschöpfung. Auch wenn viele weitere Prozesse, wie der Materialtransport, das Justieren der Säge und der Versand am gesamten Auftragsspektrum beteiligt sind, änder das nichts daran, dass die Wertschöpfung nur einen kleinen Teil ausmacht. Das bedeutet aber keinesfalls, dass alle weiteren Tätigkeiten weggelassen werden können - Rohre klettern ja schließlich nicht von alleine auf Sägen und stellen die Maschinen ein. Vielmehr geht es bei dieser Betrachtung darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was wirklich wichtig für den Kunden ist. 

Dazu werden alle Abläufe und Tätigkeiten drei Kategorien zugeordnet.

 

  1. Wertschöpfende Tätigkeiten
  2. Notwendige Verschwendung (nicht wertschöpfende, aber notwendige Tätigkeiten)
  3. Verschwendung (nicht wertschöpfende und unnötige Tätigkeiten)

 

Als Kuchendiagramm dargestellt ergibt sich folgende beispielhafte Grafik. Dabei ist der Wertschöpfungsanteil nicht etwa so gering, damit es uns als besseres Beispiel dient. Vielmehr sind die Werte für Unternehmen, die wenig bis gar keine Einführung von Lean Prinzipien vorgenommen haben sehr repräsentativ. Die ändert sich natürlich mit dem Voranschreiten der Verbesserungsmaßnahmen drastisch.

1. Wertschöpfende Tätigkeiten

Die Wertschöpfenden Tätigkeiten sind alle Tätigkeiten, durch deren Ausführung ein Kunde einen Mehrwert erfährt und seine Bedürfnisse entsprechend befriedigt werden. Bleiben wir beim Beispiel des Rohrzuschnitts, ist der wertschöpfende Anteil lediglich derjenige, in dem das Material zersägt wird, um so die gewünschte Länge zu erhalten.

Der Anteil an wertschöpfenden Tätigkeiten sollte so hoch wie möglich sein – er dient als Indikator für Effizienz.

2. Notwendige Verschwendung

Diese Tätigkeiten sind alle Tätigkeiten, die per se nicht wertschöpfend sind, aber erbracht werden müssen, um Wertschöpfung zu erzielen. Ein typisches Beispiel ist das Rüsten und Vorbereiten von CNC-Maschinen, die erst mit dem richtigen Werkzeug und mit dem zur Fertigung notwendigen Programm bestückt bzw. eingestellt werden müssen.

 

Dieser Anteil ist, wie schon der Name sagt, notwendig. Deshalb kann er nicht vermieden werden, sollte aber möglichst minimiert werden. Dies gelingt beispielsweise durch die Optimierung von Rüstzeiten.

3. Verschwendung

Verschwendung bezeichnet alle Nicht wertschöpfende und unnötige Prozesse und damit alle Tätigkeiten, die keinen Mehrwert für den Kunden beitragen und auch nicht die Wertschöpfung unterstützen. Sie sind grundsätzlich vermeidbar.

Oft sind diese Prozesse allerdings fest im Denken und Handeln der Mitarbeiter verankert, weil vieles aus Gewohnheit schon immer genau gleich gemacht wurde. Und obwohl die Rahmenbedingungen sich im Laufe der Jahre völlig verändert haben, sind diese Abläufe gleich geblieben. Dies ist in der Regel darauf zurückzuführen, dass in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen Veränderungen nur von oben nach unten ablaufen und die Mitarbeiter wenig Möglichkeiten haben selbst die Initiative zu ergreifen. Unser Artikel zum Thema 5S erläutert, wie man Mitarbeiter aktiv einbindet und am Hinterfragen des Arbeitsplatzes beteiligt.

Fazit

Betrachten wir nun Tätigkeiten im Unternehmen mit dem Fokus auf diese drei Arten fällt schnell auf, dass nur ein Bruchteil der täglichen Arbeit tatsächlich wertschöpfend ist.

Mit dieser Betrachtung möchten wir keinesfalls Ihre technische Kompetenz in Frage stellen. Sehr wohl aber möchten wir Sie dazu ermutigen, zu hinterfragen wie gut Sie Ihre Kompetenzen einsetzen. Die oben dargestellte Grafik verändert sich bereits nach ersten Umsetzungen der Lean Prinzipien deutlich. Der Wertschöpfungsanteil wurde in diesem Beispiel vervierfacht(!). Das bedeutet, dass in der selben Arbeitszeit viermal so viel geschafft wird und das bei gleicher Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter. Dies wird zwar nicht allein durch die Betrachtung der Wertschöpfung erreicht, jedoch ist es einer der ersten und auch einer der wichtigsten Schritte.

Wie hoch ist der Anteil Ihrer Wertschöpfung?

 


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